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Die High-Performer-Falle im Recruiting: Wenn Spitzenleistung Deine Unternehmenskultur zerlegt

  • Autorenbild: Monika Juritsch
    Monika Juritsch
  • 1. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Du hast endlich diesen einen High Performer eingestellt. Den Menschen, der im Lebenslauf auf ganzer Linie glänzt. Der im Bewerbungsgespräch absolut souverän wirkt und fachlich genau das mitbringt, wonach Du monatelang gesucht hast.


  • Die Zahlen stimmen.

  • Die Erfahrung passt.

  • Der Auftritt sitzt auf den Punkt.


Es klingt nach dem perfekten Volltreffer. Und manchmal ist es das zum Glück auch. Aber viel zu oft zeigt sich erst im harten Arbeitsalltag, dass mit dieser Person nicht nur reine Leistung ins Team gekommen ist – sondern auch ein ziemlich großes Ego. Genau an dieser Stelle wird es für moderne Führungskräfte, HR-Manager und das gesamte Teambuilding spannend.


Das große Missverständnis beim High Performer Recruiting


Gute Recruiting-Entscheidungen entstehen niemals isoliert durch die reine Betrachtung von Fachkompetenzen. Sie entstehen ausschließlich durch den strategischen Blick auf das gesamte organische System Deines Unternehmens. Ein neuer Mitarbeiter kann fachlich noch so brillant sein und trotzdem die gesamte Abteilung unbewusst ausbremsen.

Nicht, weil er die Aufgaben nicht beherrscht.


Sondern:

  • Wissens-Monopole: Weil er wichtiges strategisches Wissen für sich behält, um seinen eigenen Status zu sichern.

  • Erfolgs-Diebstahl: Weil er gemeinsame Erfolge ganz ungeniert komplett an sich zieht.

  • Machtspielchen: Weil er andere Teammitglieder subtil klein macht, um selbst im helleren Licht zu wirken.

  • Bühnen-Sucht: Weil Zusammenarbeit für ihn nur dann von Interesse ist, wenn er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.


Am Anfang fällt dieses Verhalten oft gar nicht so deutlich auf. Die nackten Ergebnisse stimmen schließlich. Die Führungsebene ist erleichtert: Endlich jemand, der liefert. Endlich das dringend benötigte Tempo. Endlich spürbare Bewegung im Projekt.


Die unsichtbaren Kosten einer kulturellen Fehlbesetzung


Doch im Team passiert parallel dazu etwas ganz anderes, das in keiner Excel-Tabelle des ersten Quartals auftaucht. Die stillen, verlässlichen Leistungsträger werden noch leiser. Der tägliche fachliche Austausch wird spürbar vorsichtiger. Wissen fließt nicht mehr sauber und transparent durch die Abteilungen. Die allgemeine Stimmung kippt.

Und irgendwann stellt sich das erste echte Top-Talent die entscheidende Frage, ob es sich dieses toxische Umfeld wirklich noch länger antun möchte. Genau dann wird aus der vermeintlichen Spitzenleistung ein extrem teurer Kostenfaktor.


"Wir schauen im Recruiting oft sehr genau darauf, OB jemand liefern kann. Aber wir schauen viel zu wenig darauf, WIE jemand liefert."

Diese versteckten Schäden zeigen sich zeitversetzt ganz deutlich:

  1. In einer plötzlich steigenden Fluktuation der eigentlichen Leistungsträger.

  2. In einem drastischen Einbruch der intrinsischen Motivation im restlichen Team.

  3. In einer sinkenden Qualität der abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit.

  4. Und vor allem in der Frage, ob gute Leute langfristig bleiben oder innerlich längst gekündigt haben.


Führung und Verantwortung: Den Ego-Check im Interview etablieren


Ein starker Einzelperformer bringt kurzfristig Ergebnisse. Ein echter High Performer dagegen macht das gesamte Team nachhaltig stärker. Er teilt sein Wissen bereitwillig, übernimmt echte Verantwortung, bringt Klarheit in chaotische Prozesse und muss nicht permanent selbst im Rampenlicht glänzen, um maximale Wirksamkeit zu erzielen.


Deshalb lohnt es sich, im Recruiting-Prozess von Anfang an viel genauer hinzuhören und auf die feinen Zwischentöne im Interview zu achten:


  • Wie spricht der Kandidat über frühere Teams und Kollegen?

  • Geht es ausschließlich um die eigenen Erfolge oder um die gemeinsame Entwicklung?

  • Wie beschreibt die Person vergangene Konflikte und die eigene Rolle dabei?

  • Wie reflektiert und geht jemand mit eigenen Fehlern um?

  • Und die entscheidende Frage: Wie viel „Wir“ steckt eigentlich im erzählten „Ich“?


Fachliche Stärke bleibt im Recruiting essenziell. Keine Frage. Aber wenn sie menschlich das bestehende Team zerlegt, ist sie kein Gewinn für Deine Unternehmenskultur. Dann ist sie ein unkalkulierbares Risiko.


Wie nimmst Du das wahr?


Hast Du in Deiner Praxis schon einmal jemanden erlebt, der fachlich extrem stark war, aber menschlich die gesamte Dynamik blockiert hat? Woran hast Du es im Nachhinein erkannt? Schreib es mir in die Kommentare!

Gruppe von Menschen um ein rundes Puzzle. mit der Aufschrift: fachlich stark. menschlich schwierig. Nicht jeder High performer stärkt dein Team

Oder du schreibst mir unter: juritsch@feman.at

 
 
 

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