Im September habe ich drei Jahre fe|man gefeiert.
Drei Jahre Recruiting, Active Sourcing, Direct Search, Führungskräfteentwicklung und viele Begegnungen mit Menschen und Unternehmen.
Heute ist meine neue Website online gegangen.
Eigentlich müsste ich jetzt vor allem über Farben, Bilder und Texte sprechen. Doch die vergangenen Wochen haben mir etwas anderes noch einmal sehr deutlich gezeigt:
Wer sich selbstständig macht, übernimmt nicht nur einen Job.
Man übernimmt plötzlich alle.
Angefangen hat alles mit Recruiting
Als ich fe|man gegründet habe, war für mich klar, worum es gehen sollte.
Um Recruiting, Active Sourcing und Direct Search. Um Menschen. Um Unternehmen. Um die Frage, wie beide wirklich zueinanderpassen.
Das ist meine Leidenschaft. Darin liegt meine Erfahrung. Und genau dafür habe ich fe|man gegründet.
Was ich damals zwar wusste, aber vermutlich noch nicht ganz verstanden hatte: Wer sich selbstständig macht, arbeitet nicht nur in seinem Fachgebiet.
Man gründet nicht einfach einen Job für sich selbst.
Man übernimmt ein ganzes Unternehmen.
Willkommen in der Geschäftsführung
Natürlich bin ich Geschäftsführerin.
Ich entscheide, wohin sich fe|man entwickelt, welche Leistungen ich anbiete und mit welchen Kunden ich zusammenarbeiten möchte.
Ich denke über Positionierung, Qualität und Wachstum nach. Ich entscheide, welche Projekte zu fe|man passen und welche vielleicht bewusst nicht.
Und ich trage die Verantwortung für jede dieser Entscheidungen.
So weit, so erwartbar.
Doch damit beginnt die Liste erst.
Marketingabteilung mit einer Mitarbeiterin
Eine gute Leistung allein reicht nicht. Menschen müssen auch verstehen, wofür fe|man steht.
Also beschäftige ich mich mit Texten, Bildern, Farben, Botschaften und Zielgruppen. Ich überlege, wie persönlich eine Marke sein darf und wie professionell sie wirken muss.
Ich hinterfrage Formulierungen, wähle Fotos aus und diskutiere mit mir selbst über einzelne Wörter.
Die neue Website hat mir das noch einmal besonders deutlich gezeigt.
Aus einer vermeintlich einfachen Aufgabe wurde eine intensive Reise.
Welche Leistungen gehören auf die Startseite? Welche Botschaft trägt fe|man wirklich? Welche Bilder zeigen mich so, wie ich bin? Welche Texte erklären meine Arbeit, ohne nach austauschbaren Werbeversprechen zu klingen?
Wie viel Persönlichkeit braucht eine professionelle Website?
Und irgendwann sitzt man vor einer Überschrift und merkt, dass drei Wörter plötzlich eine erstaunlich große Entscheidung sein können.
Plötzlich auch IT-Abteilung
Dann kommt der Moment, in dem die Website fertig ist.
Zumindest optisch.
Denn eine Website muss nicht nur gut aussehen. Sie braucht eine Domain, sichere Verbindungen, korrekte DNS-Einträge, Weiterleitungen, eine Sitemap und die Verbindung zur Google Search Console.
Begriffe, die mit Recruiting zunächst ungefähr so viel zu tun haben wie ein Bewerbungsgespräch mit Buchhaltung.
Und trotzdem sitzt man da, prüft technische Einträge, wartet auf Aktualisierungen und lernt, dass ein einziger falsch geschriebener Buchstabe darüber entscheiden kann, ob die Website erreichbar ist oder eine Fehlermeldung zeigt.
Man öffnet dieselbe Seite in verschiedenen Browsern, löscht Zwischenspeicher und fragt sich, warum etwas auf einem Gerät funktioniert und auf dem anderen nicht.
In solchen Momenten fühlt sich Selbstständigkeit weniger nach großer unternehmerischer Freiheit und mehr nach einem spontanen Quereinstieg in die IT an.
Controlling, Buchhaltung und Backoffice warten auch schon
Währenddessen verschwinden Rechnungen, Verträge, Termine und Belege natürlich nicht.
Angebote müssen erstellt, Zahlungseingänge geprüft und Unterlagen abgelegt werden. Datenschutz, Impressum und rechtliche Vorgaben wollen ebenfalls berücksichtigt werden.
E-Mails müssen beantwortet, Termine koordiniert und Entscheidungen dokumentiert werden.
Im Hintergrund laufen viele Aufgaben, die später niemand sieht.
Sie erscheinen auf keinem Foto und in keinem Beitrag auf LinkedIn. Trotzdem sorgen sie dafür, dass ein Unternehmen funktioniert.
Die eigentliche Herausforderung
Die größte Herausforderung besteht nicht darin, all diese Rollen irgendwie auszufüllen.
Sie besteht darin, immer wieder zwischen ihnen zu wechseln.
Am Vormittag führe ich ein Gespräch mit einem Unternehmen über eine Schlüsselposition. Kurz darauf begleite ich einen Menschen durch einen beruflichen Entscheidungsprozess.
Danach prüfe ich eine Rechnung, formuliere einen Beitrag, beantworte E-Mails oder beschäftige mich mit einer technischen Einstellung auf der Website.
Jede dieser Aufgaben verlangt einen anderen Blick.
Im Recruiting geht es um Aufmerksamkeit, Erfahrung und ein echtes Verständnis für Menschen.
Im Controlling geht es um Zahlen.
Im Marketing geht es um Klarheit und Wirkung.
In der Geschäftsführung geht es um Entscheidungen.
Und in der IT geht es manchmal schlicht darum, nicht die Nerven zu verlieren.
Trotzdem gehören all diese Aufgaben zu demselben Unternehmen.
Muss man wirklich alles selbst können?
Nein.
Aber man sollte genug verstehen, um gute Entscheidungen treffen zu können.
Selbstständigkeit bedeutet für mich nicht, jede Aufgabe dauerhaft selbst erledigen zu müssen. Sie bedeutet, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sie erledigt wird.
Manches mache ich selbst. Bei anderem brauche ich Unterstützung. Und bei wieder anderem lerne ich gerade erst, welche Fragen ich überhaupt stellen muss.
Vielleicht liegt genau darin eine der wichtigsten unternehmerischen Fähigkeiten: zu erkennen, was man selbst gut kann, was man lernen möchte und wo jemand anderes die bessere Besetzung ist.
Eigentlich ist das gar nicht so weit vom Recruiting entfernt.
Die richtige Person für die richtige Aufgabe
Auch Unternehmen müssen nicht jede Kompetenz intern abdecken.
Manchmal fehlt Zeit. Manchmal fehlt Erfahrung. Manchmal braucht es zusätzliche Kapazität für einen begrenzten Zeitraum.
Entscheidend ist, diese Lücke rechtzeitig zu erkennen und passend zu schließen.
Genau das erlebe ich nicht nur bei meinen Kunden. Ich erlebe es auch in meinem eigenen Unternehmen.
Meine Leidenschaft bleibt Recruiting. Menschen zu verstehen, Unternehmen wirtschaftlich zu betrachten und beide miteinander zu verbinden.
Doch fe|man besteht auch aus all den Aufgaben, die rundherum notwendig sind.
Ich bin Recruiterin und Unternehmerin. Geschäftsführung und Marketing. IT-Abteilung und Controlling. Buchhaltung und Backoffice.
Nicht immer alles gleichzeitig.
Aber manchmal erstaunlich nah beieinander.
Drei Jahre später
Heute ist die neue Website online.
Alle Texte sind geschrieben. Die Bilder sind ausgewählt. Die Technik funktioniert. Zumindest in diesem Moment.
Und die Website fühlt sich endlich so an wie fe|man heute.
Klarer als vor drei Jahren. Erfahrener. Persönlich geblieben.
Vielleicht ist genau das Selbstständigkeit: Das eigene Unternehmen entwickelt sich weiter, während man selbst mit jeder neuen Aufgabe ein Stück mitwächst.
Nach drei Jahren weiß ich, dass Unternehmertum weit mehr bedeutet, als nur das zu tun, was man liebt.
Es bedeutet auch, all jene Aufgaben anzunehmen, die dafür sorgen, dass aus einer Leidenschaft ein funktionierendes Unternehmen wird.
Und trotz aller zusätzlichen Rollen nicht aus den Augen zu verlieren, wofür man ursprünglich angetreten ist.
Für mich sind das die Menschen.
Und die Unternehmen, in denen sie den Unterschied machen.
