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Resiliente Führung heißt nicht stark sein. Sondern echt.

  • Autorenbild: Monika Juritsch
    Monika Juritsch
  • 23. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Ich erinnere mich an ein Gespräch, das mir bis heute nachgeht. Eine Führungskraft sitzt mir gegenüber. Ruhig. Kontrolliert. Souverän. Alles an ihr passt ins Bild einer Person, die „das im Griff hat“. Der Job läuft. Das Team funktioniert. Die Zahlen stimmen.


Irgendwann im Gespräch entsteht eine Pause. Keine unangenehme. Eher eine ehrliche. Dann sagt sie leise: „Ich halte das schon aus. Aber ich weiß nicht mehr, wofür.“


Dieser Satz ist mir geblieben. Weil er so viel erzählt. Über Führung. Über Druck. Über das, was wir Resilienz nennen und was es oft nicht ist.


Resilienz als Missverständnis unserer Zeit

Resilienz ist eines dieser Worte geworden, die überall auftauchen. In Strategiepapiere. In HR Konzepte. In Führungskräftetrainings. Es klingt stark. Belastbar. Zukunftsfähig. Was dabei oft mitschwingt, ist eine klare Erwartung. Du musst mehr aushalten können. Du musst besser funktionieren. Du musst stabil bleiben, egal was kommt.


Gerade in den letzten Jahren hat sich dieser Gedanke verstärkt. Dauerkrisen. Veränderung im Dauerlauf. Fachkräftemangel. Unsicherheit. Alles gleichzeitig. Führungskräfte stehen mittendrin. Erwartet wird Klarheit. Sicherheit. Orientierung. Am besten ohne Wackeln. Und genau hier kippt das Verständnis von Resilienz.


Denn was viele als Resilienz bezeichnen, ist in Wahrheit Anpassung bis zur Selbstverleugnung. Es ist Durchhalten ohne Reflexion. Es ist Weitermachen, obwohl die innere Substanz längst bröckelt. Das Problem daran ist nicht nur die persönliche Erschöpfung. Das Problem ist die Wirkung nach außen.


Was Führungskräfte vorleben, ohne es zu merken

Führung wirkt immer. Auch dann, wenn nichts gesagt wird. Vielleicht sogar besonders dann.

Eine Führungskraft, die keine Pausen macht, sendet ein klares Signal. Leistung steht über allem. Auch über der eigenen Gesundheit.


Ein CEO, der immer erreichbar ist, auch spätabends und am Wochenende, prägt eine Kultur. Nicht durch Worte, sondern durch Verhalten.


Eine Führungskraft, die jede Spannung aus dem Team nimmt, jede Entscheidung abfedert und jede Unsicherheit selbst trägt, nimmt dem Team etwas weg. Verantwortung. Reife. Eigenständigkeit.

All das passiert nicht aus böser Absicht.Im Gegenteil. Meist aus Pflichtgefühl. Aus Verantwortungsbewusstsein. Aus dem Wunsch, stark zu sein. Aber genau hier liegt der Denkfehler.


Stark sein ist nicht dasselbe wie resilient sein

Stärke wird in Führung oft mit Kontrolle verwechselt. Mit Standhaftigkeit. Mit der Fähigkeit, alles auszuhalten, ohne es zu zeigen.


Resilienz meint etwas anderes.


Resilienz ist nicht die Abwesenheit von Belastung. Resilienz ist der Umgang damit. Sie zeigt sich nicht darin, keine Zweifel zu haben.Sondern darin, sie einordnen zu können. Nicht darin, immer eine Antwort zu haben. Sondern darin, Unsicherheit auszuhalten, ohne hektisch zu werden. Resiliente Führungskräfte sind nicht die, die alles wegstecken. Es sind die, die sich selbst ernst nehmen.


Selbstführung als unterschätzte Führungsaufgabe

In vielen Organisationen wird Führung nach außen gedacht. Ziele. Performance. Steuerung. Kommunikation. All das ist wichtig. Keine Frage.


  • Was oft fehlt, ist der Blick nach innen:

  • Wie gehe ich mit mir selbst um, wenn der Druck steigt?

  • Wo ignoriere ich meine Grenzen, weil ich glaube, es mir nicht leisten zu können, sie zu setzen?

  • Welche Rolle spiele ich eigentlich jeden Tag?


Viele Führungskräfte funktionieren in einer Rolle, die sie sich irgendwann angezogen haben. Die Rolle der Starken. Der Unerschütterlichen. Derjenigen, die immer weiterwissen. Diese Rolle mag kurzfristig tragen. Langfristig kostet sie enorm viel Energie. Resilienz beginnt dort, wo diese Rolle hinterfragt werden darf. Nicht öffentlich inszeniert. Sondern ehrlich reflektiert.


Wenn Resilienz zur Individualaufgabe gemacht wird

Ein Muster, das mir in Unternehmen immer wieder begegnet, ist die Individualisierung von Resilienz. Mitarbeitende sollen lernen, besser mit Stress umzugehen. Führungskräfte sollen ihre Widerstandskraft stärken. Das klingt logisch. Greift aber zu kurz.


Denn Resilienz entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie entsteht im Kontext. In Strukturen. In Kulturen. In unausgesprochenen Erwartungen.


Wenn eine Organisation permanent Überlastung erzeugt, helfen keine Atemübungen.Wenn Führung implizit Dauerverfügbarkeit belohnt, wird kein Resilienztraining das auffangen. Resilienz ist keine Reparaturmaßnahme. Sie ist eine Frage der Haltung. Und damit immer auch eine Führungsfrage.


Die leisen Folgen fehlender echter Resilienz

Die Auswirkungen zeigen sich oft nicht sofort. Sie sind leise. Schleichend. Teams werden vorsichtiger.Initiative nimmt ab.Kreativität weicht Absicherung. Menschen erledigen ihre Aufgaben. Aber sie bringen sich nicht mehr wirklich ein. Nicht, weil sie nicht wollen. Sondern weil sie gelernt haben, dass es sicherer ist, sich zurückzunehmen.


Und Führungskräfte wundern sich:

  • Warum kommt so wenig zurück?

  • Warum fehlt der Drive?

  • Warum fühlt sich alles so schwer an?


Die Antwort liegt oft nicht im Team.Sondern in der Art, wie Führung gelebt wird.


Echt sein braucht Mut

Echte Resilienz zeigt sich nicht im Dauerfunktionieren. Sondern im Mut zur Echtheit. Im Aussprechen von Unsicherheit, ohne sie abzuladen. Im Setzen von Grenzen, ohne sich zu rechtfertigen. Im Nein sagen, wenn ein Ja langfristig schadet.


Das ist nicht bequem. Und es passt nicht in jedes klassische Führungsbild. Aber es wirkt.

Führungskräfte, die echt sind, müssen nicht alles wissen. Sie müssen nicht alles tragen. Sie müssen nicht immer stark erscheinen.


Sie sind klar. Berechenbar. Präsent. Und genau das schafft Sicherheit.


Resilienz als Beziehungsgeschehen - Resiliente Führung

Resiliente Führung entsteht im Miteinander. In Gesprächen, die nicht nur sachlich sind. In Entscheidungen, die erklärt werden. In einer Kultur, in der Fehler nicht sofort sanktioniert werden.

Nicht jede Führungskraft muss alles offenlegen. Aber jede Führungskraft beeinflusst, wie offen andere sein dürfen.


Resilienz zeigt sich darin, wie mit Druck umgegangen wird. Gemeinsam. Nicht allein.


Drei Fragen, die bleiben dürfen:

  • Wann habe ich mir zuletzt selbst zugehört, statt nur zu funktionieren?

  • Welche Erwartungen erfülle ich, ohne sie jemals hinterfragt zu haben?

  • Was lernen andere durch mein tägliches Verhalten über den Umgang mit Belastung?


Diese Fragen sind unbequem. Aber sie sind ehrlich. Und sie führen weiter als jede Durchhalteparole.


Ein leiser Abschluss der Serie

In dieser dreiteiligen Auseinandersetzung mit Resilienz ging es nie um Methoden. Es ging um Haltung. Um Selbstführung. Um Verantwortung. Resilienz ist kein Ziel, das man erreicht. Sie ist ein Weg, den man bewusst geht.


Nicht perfekt. Nicht immer leicht. Aber echt.


Und vielleicht ist genau das die stärkste Form von Führung, die wir heute brauchen. Wenn Du die Gedanken aus diesem Text weiter vertiefen möchtest, findest Du im Newsletter Raum dafür. Mit Reflexion. Mit Fragen. Mit einem Workbook zum Weiterarbeiten. Nicht als Lösung. Sondern als Einladung zum Innehalten.



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